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Wirtschaft & Tourismus GrazNächtigungsbilanz 2026

Erstmals 1 Million Nächtigungen nach acht Monaten: Was die Grazer Tourismusbilanz 2026 verrät

Graz knackt früher als je zuvor die Millionengrenze bei den Hotel- und Apartmentübernachtungen. Doch hinter dem Plus von 6,3 Prozent steckt eine wachsende Schere: 4-Sterne-Häuser und Ferienwohnungen boomen, während mittlere Betriebe unter Druck geraten. Die offizielle Bilanz von Graz Tourismus im Detail.

Veröffentlicht am: 30. September 2026 von Redaktion Vasteno
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Erstmals in der Geschichte der Grazer Tourismusstatistik hat die steirische Landeshauptstadt die Marke von einer Million Nächtigungen bereits nach den ersten acht Monaten eines Jahres überschritten. Zwischen Jänner und August 2026 verzeichnete Graz laut der offiziellen Bilanz von Graz Tourismus und Stadtmarketing exakt 1.009.864 Übernachtungen – ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Hinter diesem neuen Höchststand steckt jedoch kein einheitlicher Boom über alle Betriebe hinweg. Während die Vier-Sterne-Hotellerie und gewerbliche Ferienwohnungen kräftig zulegen, stehen mittlere und kleinere Häuser der Zwei- und Drei-Sterne-Kategorie unter spürbarem Druck. Gleichzeitig verschieben sich die internationalen Quellmärkte und die Kongresslandschaft.

Historischer Meilenstein: 1.009.864 Nächtigungen

Noch nie in der Geschichte der Grazer Aufzeichnungen wurde die Millionengrenze bereits nach acht Monaten erreicht. Gegenüber Jänner bis August 2025 (949.958 Nächtigungen) entspricht das einem Zuwachs von +59.906 Übernachtungen (+6,3 %).

1. Die Gesamtlage: August festigt das Rekordjahr

Im Einzelmonat August 2026 wurden in Graz 172.551 Nächtigungen gezählt. Das entspricht einem Zuwachs von 1,3 Prozent (+2.282 Nächtigungen) gegenüber dem August 2025 (170.269).

Kennzahl GrazAugust 2025August 2026Veränd. Aug.Jan.–Aug. 2025Jan.–Aug. 2026Veränd. Gesamt
Nächtigungen gesamt170.269172.551+1,3 %949.9581.009.864+6,3 %
Gewerbliche Betriebe164.246165.996+1,1 %917.082971.522+5,9 %
Ankünfte99.43199.255-0,2 %541.385562.673+3,9 %
Durchschn. Aufenthaltsdauer1,71 Nächte1,74 Nächte+0,03 N.1,75 Nächte1,79 Nächte+0,04 N.

Besonders bemerkenswert: Während die Ankünfte im August mit 99.255 Gästen minimal unter dem Vorjahr lagen (-0,2 %), stieg die Gesamtzahl der Übernachtungen dennoch. Der Grund liegt in der längeren Verweildauer: Besucher blieben im August im Schnitt 1,74 Nächte (Vorjahr: 1,71). Im bisherigen Gesamtjahr stieg die Aufenthaltsdauer von 1,75 auf 1,79 Nächte. Für Gastronomie und Einzelhandel ist das ein positiver Impuls, da jeder zusätzliche Tag vor Ort die Wertschöpfung in der Stadt erhöht.

2. Die Schere im Beherbergungssektor: Wer gewinnt, wer verliert?

Die Aufschlüsselung nach Hotel- und Unterkunftsarten zeigt deutliche Verschiebungen im Grazer Markt:

KategorieAugust 2026Veränd. AugustJan.–Aug. 2026Veränd. Jan.–Aug.Tatsächl. Differenz (YTD)
4-Stern79.478+4,5 %485.781+6,9 %+31.538
3-Stern25.619-7,2 %155.089-3,4 %-5.380
2/1-Stern20.803-8,3 %121.530-0,4 %-465
Übrige (Ferienwohnungen etc.)46.651+6,3 %247.464+16,0 %+34.213

Vier-Sterne-Hotellerie als stabiler Anker

Mit 79.478 Nächtigungen im August 2026 vereint die Vier-Sterne-Kategorie knapp 46 Prozent aller Grazer Übernachtungen auf sich. Gegenüber August 2025 bedeutet das ein Plus von 4,5 Prozent (+3.395 Nächtigungen). Im bisherigen Gesamtjahr liegt das Segment mit 485.781 Nächtigungen um 6,9 Prozent über dem Vergleichswert von 2025. Der Trend zu gehobener Qualität bei Geschäftsreisenden, Städtetouristen und Kongressteilnehmern bleibt ungebrochen.

Rückgänge bei 2- und 3-Sterne-Betrieben

Ganz anders gestaltet sich die Lage im mittleren und budgetorientierten Hotelsektor:

  • 3-Sterne-Häuser: Verzeichneten im August 25.619 Nächtigungen – ein deutliches Minus von 7,2 Prozent (-1.991 Übernachtungen). Über die ersten acht Monate hinweg steht ein Rückgang von 3,4 Prozent zu Buche (155.089 vs. 160.469).
  • 2/1-Sterne-Sektor: Kam im August auf 20.803 Nächtigungen, was einem Minus von 8,3 Prozent entspricht. Im Gesamtjahr Jan–Aug ist dieses Segment mit 121.530 Nächtigungen (-0,4 %) weitgehend stabil, verliert im Hochsommer jedoch an Boden.

Starker Schub bei Ferienwohnungen und alternativen Unterkünften

Den prozentual kräftigsten Sprung verzeichnet die Sammelkategorie „Übrige“ (dazu gehören gewerbliche Ferienwohnungen, Privatzimmer, Jugendgästehäuser, Bildungshäuser sowie der Reisemobilstellplatz):

  • August 2026: 46.651 Nächtigungen (+6,3 % ggü. August 2025).
  • Jänner bis August 2026: 247.464 Nächtigungen gegenüber 213.251 im Vorjahr – das entspricht einem Zuwachs von 16,0 Prozent (+34.213 Nächtigungen).

Laut Tourismusdirektion ist dieses Plus maßgeblich auf einen Ausbau der Bettenkapazitäten im Bereich gewerblicher Ferienwohnungen und Serviced Apartments zurückzuführen. Familien und Individualreisende weichen zunehmend auf Unterkünfte mit Selbstversorger-Option aus, was den klassischen 2- und 3-Sterne-Betrieben spürbar Konkurrenz macht.

3. Woher die Gäste kommen: Inlandsboom und neue Reisekorridore

Die Herkunft der Gäste offenbart eine deutliche Verschiebung zwischen etablierten Fernmärkten und europäischen Nahzielen:

QuellmarktAugust 2025August 2026DifferenzVeränd. %
Österreich (Inland)48.56951.553+2.984+6,1 %
Deutschland38.98039.771+791+2,0 %
Polen11.02513.043+2.018+18,3 %
Italien8.8089.713+905+10,3 %
USA6.1345.550-584-9,5 %
Ungarn4.1014.593+492+12,0 %
Tschechische Republik3.9444.309+365+9,3 %
Niederlande5.3064.065-1.241-23,4 %
Schweiz & Liechtenstein3.1602.846-314-9,9 %
Slowakei1.4332.541+1.108+77,3 %
China1.7641.074-690-39,1 %
Japan349304-45-12,9 %

Dass die Niederlande im August 2026 einen Rückgang von 23,4 Prozent verzeichneten, ist ein statistischer Basiseffekt: Im August 2025 fand in Graz der renommierte Wissenschaftskongress EARLI und JURE statt, der ein überproportional großes niederländisches Publikum anzog. 2026 gelang es Graz, mit dem weltweitenEsperanto-Kongress erneut eine teilnehmerstarke und internationale Großveranstaltung auszurichten, was das hohe Niveau im August absicherte.

Wichtige Differenzierung bei den Fernmärkten: Bei China (-39,1 %) und Japan (-12,9 %) gab es im August Rückgänge, über die gesamten ersten acht Monate des Jahres 2026 betrachtet verzeichnen jedoch beide asiatischen Märkte solide Zuwächse in Graz.

4. Städtevergleich: Wie schlägt sich Graz im Bundesgebiet?

Ein Blick auf die anderen österreichischen Landeshauptstädte ordnet die Grazer Ergebnisse in den nationalen Kontext ein:

LandeshauptstadtAugust 2026Veränd. Aug.Jan.–Aug. 2026Veränd. Jan.–Aug.
Graz172.551+1,3 %1.009.864+6,3 %
Wien1.907.315-0,2 %13.082.755+4,0 %
Innsbruck / Igls234.057+6,8 %1.366.312+2,5 %
Linz107.027+5,6 %730.354+8,0 %
Klagenfurt96.008+11,8 %404.798+9,1 %
Salzburgk. A.*k. A.2.118.575 (Jan–Juli '25)k. A.

*Hinweis: Für Salzburg lagen zum Stichtag der Veröffentlichung noch keine August-Zahlen vor.

5. Was die Zahlen für die Grazer Wirtschaft bedeuten

Die Überschreitung der Millionengrenze bereits im August ist für die Grazer Tourismuswirtschaft ein starkes Signal, bringt aber auch konkrete Anforderungen mit sich:

  1. Gute Frequenz für die Gastronomie: Durch die auf 1,79 Nächte gestiegene Verweildauer konsumieren Gäste häufiger in der Stadt. Lokale Wirtshäuser, Cafés und Schanigärten profitieren direkt. Wie sich die Konsumentenpreise in der Grazer Gastronomie im selben Zeitraum entwickelt haben, dokumentiert unser Überblick zu den Grazer Gastronomiepreisen.
  2. Herausforderung für Mittelklasse-Hotels: Die Verdrängung durch Ferienwohnungen zwingt Betreiber von Drei-Sterne-Häusern zur Schärfung ihres Angebots – etwa durch digitale Check-in-Prozesse, moderne Ausstattung oder Kooperationen mit lokalen Dienstleistern.
  3. Bedeutung des Kongressstandorts: Große Fachtagungen und internationale Treffen wie der Esperanto-Kongress federn saisonale Schwankungen ab. Die Auslastung von Stadthalle, Messe und Universitätsräumlichkeiten bleibt ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für Beherbergung und Mobilität.
  4. Präsenz für Grazer Betriebe: Für Zulieferer, Gastronomen und Handwerksbetriebe rund um die Hotellerie bietet der anhaltende Gästezustrom verlässliche Auftragslagen. Einen Überblick über verifizierte Dienstleister und Gastronomiebetriebe in der Region bietet das Grazer Firmenverzeichnis auf Vasteno.
Fazit für den Grazer Standort

Die Grazer Tourismusbilanz zum August 2026 belegt die Attraktivität der steirischen Hauptstadt als ganzjährige Destination. Das Erreichen der Millionen-Marke nach nur acht Monaten zeigt, dass Graz sich unabhängig von reinen Schönwetter-Monaten als Kultur-, Kongress- und Genussstadt etabliert hat.